Hämorrhoiden: Was hilft wirklich?

Juckreiz, Brennen, Blut am Toilettenpapier? die Prescriptsy-Redaktion erklaert sachlich, was bei Haemorrhoiden hilft, welche Salben und Sitzbaeder sinnvoll sind und wann Sie zum Arzt sollten.

Kurz zusammengefasstJuckreiz, Brennen, Blut am Toilettenpapier? die Prescriptsy-Redaktion erklaert sachlich, was bei Haemorrhoiden hilft, welche Salben und Sitzbaeder sinnvoll sind und wann Sie zum Arzt sollten.

Haemorrhoiden sind eines der haeufigsten und gleichzeitig am seltensten offen besprochenen Gesundheitsprobleme. Mindestens jede zweite Person ueber fuenfzig hat sie zumindest zeitweise.

In der hausaerztlichen Sprechstunde sprechen Patientinnen und Patienten oft erst dann offen darueber, wenn sie Blut am Toilettenpapier sehen, und das ist meist schon mehrere Wochen oder Monate nach den ersten Symptomen.

Dieser Beitrag soll Tabus abbauen, sachlich erklaeren, was Haemorrhoiden sind, welche Hausmittel und Medikamente wirklich helfen und wann ein Arztbesuch unvermeidlich ist.

Was sind Haemorrhoiden eigentlich?

Haemorrhoiden sind Gefaesspolster, die jeder Mensch hat.

Sie sitzen im Uebergang zwischen Enddarm und Analkanal, sind mit arteriellem Blut gefuellt und dichten zusammen mit den Schliessmuskeln den Darm ab.

Ohne sie koennte man keinen Darminhalt halten. Erst wenn diese Gefaesspolster zu gross werden, zu weich, hervortreten oder sich entzuenden, spricht man von einer Haemorrhoidalerkrankung.

Umgangssprachlich werden sie einfach Haemorrhoiden genannt.

Eingeteilt werden sie in vier Grade. Grad eins: Vergroessert, aber nicht sichtbar aussen. Grad zwei: treten beim Pressen hervor, ziehen sich aber von selbst zurueck. Grad drei: bleiben aussen, lassen sich aber mit dem Finger zurueckschieben. Grad vier: sind dauerhaft aussen und lassen sich nicht mehr zuruecksetzen. Eine ausfuehrliche Patienteninfo finden Sie auf gesund.bund.de.

Warum entstehen Haemorrhoiden?

Die Hauptursachen sind:

  • Chronische Verstopfung und starkes Pressen: erhoeht den Druck auf die Gefaesspolster.
  • Ballaststoffarme Ernaehrung: harter Stuhl, mehr Pressen, mehr Druck.
  • Langes Sitzen: insbesondere auf der Toilette mit Handy, was den Druck auf den Beckenboden erhoeht.
  • Schwangerschaft und Geburt: hormonbedingte Gefaesserweiterung und Druck durch das Kind.
  • Uebergewicht und Bewegungsmangel: schlechtere Venenzirkulation.
  • Genetische Bindegewebsschwaeche: familiaere Haeufung ist haeufig.

Wer die Ursachen kennt, kann oft schon viel praeventiv tun.

Wie aeussern sich Haemorrhoiden?

Die klassischen Symptome sind: hellrotes Blut am Toilettenpapier oder im Becken nach dem Stuhlgang, Juckreiz, Brennen, Naessen, ein Fremdkoerpergefuehl am After.

Schmerzen sind bei unkomplizierten inneren Haemorrhoiden selten, weil diese nicht mit Schmerzrezeptoren versorgt sind.

Starke Schmerzen entstehen erst bei einer Thrombose einer aeusseren Haemorrhoide, bei einer Einklemmung groesserer Knoten oder bei einer Analfissur.

Wichtig: Hellrotes Blut spricht fuer eine Blutung aus dem Analbereich, also meist Haemorrhoiden oder Fissuren. Dunkles oder schwarzes Blut weist auf eine hoehergelegene Blutungsquelle hin und muss immer aerztlich abgeklaert werden, weil auch ernsthafte Erkrankungen wie Darmkrebs dahinterstecken koennen.

Hausmittel, die wirklich helfen

Die wichtigste Massnahme ist die Ernaehrungsumstellung.

Zwei Liter Wasser pro Tag, reichlich Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, Gemuese, Huelsenfruechten, Obst und gelegentlich Flohsamenschalen, zwei bis drei Esslöffel taeglich in Wasser oder Joghurt.

Das weicht den Stuhl auf, reduziert das Pressen und entlastet die Gefaesspolster. Eine Umstellung zeigt oft schon nach zwei Wochen deutliche Besserung.

Die Apotheken Umschau hat eine gute Uebersicht dazu.

Sitzbaeder sind ein klassisches und wirksames Hausmittel. Lauwarmes Wasser, zehn bis fuenfzehn Minuten, ein- bis zweimal taeglich. Zusaetze wie Eichenrinde oder Kamille wirken leicht adstringierend und entzuendungshemmend. Nach dem Sitzbad vorsichtig trockentupfen, nicht reiben.

Hygiene: feuchtes Toilettenpapier ohne Duft- und Konservierungsstoffe, oder besser noch, die Dusche nach dem Stuhlgang. Seifen und Duschgele reizen die empfindliche Haut und verschlimmern den Juckreiz.

Bewegung: regelmaessiges Gehen, Radfahren, Schwimmen verbessert die Venenzirkulation im Beckenbereich. Vermeiden Sie langes Sitzen und langes Stehen am Stueck. Kategorie Magen-Darm-Beschwerden hat weitere Hinweise zu Verdauung und Darmgesundheit.

Rezeptfreie Medikamente: was wirkt?

In der Apotheke gibt es zahlreiche Salben, Zaepfchen und Analtampons, deren Wirksamkeit unterschiedlich gut belegt ist. Die am besten untersuchten Wirkstoffe sind:

  • Lokalanaesthetika (Lidocain, Cinchocain): betaeuben die schmerzhafte Haut und lindern Juckreiz fuer einige Stunden. Gut bei akuten Beschwerden, aber nur kurzfristig einsetzen.
  • Hamamelis (Zaubernuss): wirkt adstringierend, leicht entzuendungshemmend und blutstillend. Sehr gut vertraeglich, auch in der Schwangerschaft ueblich.
  • Zinkoxid und Bismutverbindungen: bilden einen Schutzfilm, trocknen die Haut, reduzieren Naessen.
  • Kortisonhaltige Salben: wirken stark entzuendungshemmend und juckreizstillend. Sollten nicht laenger als zwei Wochen angewendet werden, weil die Haut sonst duenn wird.

Zur Schmerzbehandlung bei akuten Beschwerden ist ein rezeptfreies NSAR wie Ibuprofen 400 mg dreimal taeglich hilfreich, besonders bei thrombosierten aeusseren Haemorrhoiden. Alternativ Naproxen 500 mg zweimal taeglich. Einen Ueberblick ueber verfuegbare Schmerzmittel finden Sie in unserer Kategorie.

Stuhlregulierende Mittel wie Macrogol oder Flohsamenschalen sind kein Luxus, sondern Kernstueck der Therapie. Ohne weichen Stuhl heilt keine akute Haemorrhoidalentzuendung ab.

Wann zum Arzt?

Ein Arztbesuch ist sinnvoll bei:

  • Blut im Stuhl ueber mehrere Tage, besonders bei Personen ueber 40 Jahren.
  • Starken Schmerzen, die durch Hausmittel nicht besser werden.
  • Dauerhaft hervortretenden Knoten, die sich nicht zuruecksetzen lassen.
  • Begleitsymptomen wie Gewichtsverlust, veraenderten Stuhlgewohnheiten, nachtlichem Durchfall, Bauchschmerzen oder Anaemie.
  • Dunklem oder schwarzem Blut im Stuhl.

Vorsorgedarmspiegelung ab 50 (bei familiaerer Belastung frueher). Blut im Stuhl ist in den allermeisten Faellen harmlos, aber Darmkrebs muss ausgeschlossen werden, wenn eine Darmspiegelung noch nicht stattgefunden hat. Mehr dazu im Deutschen Aerzteblatt, wo regelmaessig Uebersichtsarbeiten zum Thema erscheinen.

Welche aerztlichen Behandlungen gibt es?

Bei Grad eins und zwei reichen in der Regel konservative Massnahmen und Salben.

Bei Grad zwei und drei kommt die Gummibandligatur nach Barron zum Einsatz: ein kleiner Gummiring wird ueber die Basis der Haemorrhoide gelegt, diese stirbt ab und faellt nach einigen Tagen ab.

Ambulant, schmerzarm, sehr wirksam.

Bei Grad drei und vier sind operative Verfahren wie die Haemorrhoidektomie nach Milligan-Morgan oder die Staplerhaemorrhoidopexie nach Longo angezeigt. Beide Verfahren sind bewaehrt, erfordern aber eine gewisse Erholungszeit mit Schmerzen, fuer die manchmal voruebergehend Tramadol verschrieben wird. Die Entscheidung fuer ein Verfahren faellt im Gespraech mit der Koloproktologin.

Sklerosierung mit Polidocanol ist eine weitere Option bei Grad eins und zwei, wird aber seltener eingesetzt als die Gummibandligatur.

Haemorrhoiden in der Schwangerschaft

Fast die Haelfte aller Schwangeren entwickelt im letzten Trimester oder nach der Geburt Haemorrhoiden. Die hormonelle Bindegewebslockerung und der Druck des Kindes auf die Beckenvenen sind die Hauptursachen.

Behandlung erfolgt konservativ: viel trinken, Ballaststoffe, Sitzbaeder, Hamamelis-Salben, bei Bedarf Lokalanaesthetika. Kortisonsalben nur in Ruecksprache mit der Aerztin. Die meisten Beschwerden verschwinden binnen Wochen nach der Geburt.

Bei persistierenden Haemorrhoiden nach sechs bis zwoelf Monaten: Vorstellung in einer koloproktologischen Sprechstunde.

Haeufige Fragen

Helfen Salben oder Zaepfchen besser? Bei aeusseren Beschwerden sind Salben mit Applikator sinnvoll, bei inneren Beschwerden eher Zaepfchen oder Analtampons. Oft wird beides kombiniert.

Wie lange Kortisonsalben anwenden? Maximal zwei Wochen am Stueck, danach Pause oder auf andere Praeparate umsteigen.

Kann ich waehrend des Schubs Sport machen? Gehen, Schwimmen und Radfahren sind okay, wenn es nicht schmerzt. Krafttraining mit starkem Pressen sollte bis zur Abheilung pausieren.

Verschwinden Haemorrhoiden wieder? Grad eins und zwei koennen sich unter guter Therapie stark zurueckbilden. Grad drei und vier sind in der Regel bleibend, es sei denn, sie werden behandelt.

Hilft Kokosoel? Kokosoel kann die Haut pflegen und befeuchten, ersetzt aber keine medizinische Salbe bei aktiven Beschwerden.

Fazit

Haemorrhoiden sind haeufig, harmlos in den meisten Faellen, aber behandlungsbeduerftig. Die Grundlage ist immer die Ernaehrung: viel trinken, viel Ballaststoffe, nicht pressen.

Dazu Sitzbaeder, geeignete Salben und bei akuten Schmerzen ein NSAR. Wer Blut sieht, sollte nicht warten, sondern innerhalb weniger Tage aerztlich abklaeren lassen.

Mit der richtigen Therapie werden die allermeisten Patientinnen und Patienten beschwerdefrei oder zumindest deutlich besser.

Alles Gute und eine ruhige Verdauung, die Prescriptsy-Redaktion.

Haemorrhoiden bei jungen Menschen

Ein Missverstaendnis haelt sich hartnaeckig: Haemorrhoiden sind keine Krankheit aelterer Menschen. In der hausaerztlichen Praxis werden zunehmend junge Erwachsene in den Zwanzigern und Dreissigern mit ausgepraegten Beschwerden gesehen.

Die Hauptursachen bei dieser Altersgruppe: exzessives Sitzen am Schreibtisch oder Gaming, ballaststoffarme Fastfood-Ernaehrung, langes Sitzen auf der Toilette mit Smartphone, intensives Krafttraining mit Pressatmung und unzureichende Fluessigkeitszufuhr.

Die Beschwerden werden oft spaet ernst genommen, weil Betroffene nicht zum Arzt gehen wollen. Wichtig zu wissen: Je frueher behandelt, desto einfacher ist es.

Psychische Belastung durch Haemorrhoiden

Haemorrhoiden sind mit Scham besetzt, obwohl jede zweite Person frueher oder spaeter damit zu tun hat.

Betroffene beschreiben Aengste, in der Oeffentlichkeit Toiletten zu benutzen, intimes Versagen, Partnerschaftsprobleme durch Juckreiz oder Naessen. Das ist alles normal und vollkommen nachvollziehbar.

Eine offene Sprechstunde, klare Informationen und wirksame Therapie loesen die meisten dieser Sorgen schnell auf. Keine Scham, bitte. Hausaerzte und Proktologinnen haben das hundertfach gesehen.

Sport und Haemorrhoiden

Bestimmte Sportarten koennen Haemorrhoiden begueenstigen, andere schuetzen vor ihnen. Risiko erhoehend: Gewichtheben mit starker Pressatmung, lange Radtouren mit schmalem Rennsattel, Reiten.

Schuetzend: Schwimmen, Wandern, moderates Ausdauertraining, Yoga und Pilates mit Beckenbodenfokus.

Wer eine Neigung zu Haemorrhoiden hat, sollte beim Krafttraining die Pressatmung reduzieren, die Gewichte etwas niedriger waehlen und dafuer mehr Wiederholungen einbauen.

Ein Rennradsattel mit Aussparung ist fuer Radfahrer eine einfache Abhilfe.

Analjucken ist nicht immer Haemorrhoiden

Juckreiz am After kann viele Ursachen haben: Pilzinfektionen (siehe auch Kategorie Hauterkrankungen), Oxyuren (Madenwuermer, besonders bei Kindern), Kontaktdermatitis durch Feuchttuecher oder Intimpflegeprodukte, Ekzeme, Psoriasis, oder eben Haemorrhoiden. Die Abgrenzung ist nicht immer einfach und erfordert manchmal eine aerztliche Untersuchung. Versuchen Sie zunaechst, alle Reizstoffe wegzulassen, milde Pflege mit reinem Wasser, lockere Baumwollwaesche. Bessern sich die Symptome nicht binnen einer Woche, bitte abklaeren lassen.

Toilettenverhalten

Ein unterschaetztes Thema. Ein praktischer Rat: maximal fuenf Minuten pro Toilettengang. Kein Smartphone, keine Zeitung.

Wer sitzend liest, sitzt deutlich laenger, als er meint, und erhoeht den Druck auf den Beckenboden ueber Zeitraeume, die den Gefaesspolstern schaden.

Auch hilfreich: ein kleiner Hocker unter die Fuesse, der die Hocke imitiert. Diese Position begradigt den Darmkanal und erleichtert die Entleerung ohne Pressen.

Erfahrungen aus der Versorgung

Immer wieder kommen Betroffene erst dann in die Praxis, wenn sie jahrelang mit kleineren Beschwerden gelebt haben und es stark blutet oder schmerzt.

Die erleichterte Reaktion nach der ersten Beratung ist fast immer dieselbe: Haette ich das gewusst, waere ich viel frueher gekommen. Genau deshalb ist Aufklaerung so wichtig.

Haemorrhoiden sind behandelbar, meist mit einfachen Mitteln, und Blut im Stuhl ist immer ein Grund, sich untersuchen zu lassen, nicht ein Grund zur Panik.

Mit der richtigen Diagnose und einer konsequenten Therapie werden die meisten Patientinnen und Patienten beschwerdefrei.

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