Schilddrüsenerkrankung: Symptome bei Unter und Überfunktion
Jede zehnte Deutsche hat eine Schilddruesenerkrankung, oft unerkannt. die Prescriptsy-Redaktion erklaert, wie Sie Unter und Ueberfunktion erkennen und wie die Behandlung funktioniert.
Muedigkeit, Gewichtsveraenderung, Haarausfall, Herzrasen: Die Symptome einer gestoerten Schilddruese sind oft diffus und werden lange anderen Ursachen zugeschrieben. Dabei hat laut Forum Schilddruese jede zehnte Deutsche eine behandlungsbeduerftige Schilddruesenerkrankung, Frauen sind fuenfmal haeufiger betroffen als Maenner. In diesem Leitfaden zeige ich Ihnen, wie Sie Hypothyreose und Hyperthyreose unterscheiden, welche Blutwerte wirklich zaehlen und wie die Therapie aussieht, von Levothyroxin bis zum Betablocker.
Was macht die Schilddruese?
Die Schilddruese ist eine schmetterlingsfoermige Druese an der Vorderseite des Halses, die zwei Hormone produziert: Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) .
Diese Hormone regulieren den Grundumsatz, die Koerpertemperatur, die Herzfrequenz, den Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweissen und haben entscheidenden Einfluss auf das Nervensystem, die Knochen und die Fortpflanzung.
Die Steuerung erfolgt ueber das Hypophysenhormon TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) aus dem Gehirn.
Ein hohes TSH signalisiert der Schilddruese: Produziere mehr. Ein niedriges TSH sagt: Produziere weniger. Dieser Regelkreis funktioniert wie ein Thermostat. Wird er gestoert, entstehen die klassischen Krankheitsbilder.
Wo liegt die Schilddruese und wie untersuche ich sie?
Die Schilddruese sitzt unterhalb des Schildknorpels, links und rechts der Luftroehre. Normalerweise ist sie nicht tastbar. Eine sichtbare Vergroesserung nennt man Struma, umgangssprachlich Kropf. Der Arzt palpiert die Druese beim Schlucken: Sie sollte weich, glatt und symmetrisch sein. Knoten, Asymmetrien oder eine feste Konsistenz machen eine Ultraschalluntersuchung erforderlich. In der Kategorie Schilddruese finden Sie weitere Ratgeber zum Thema.
Hypothyreose: Wenn die Schilddruese zu wenig produziert
Die Schilddruesenunterfunktion ist die haeufigste Form. Die haeufigste Ursache in Deutschland ist die Hashimoto Thyreoiditis , eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der Antikoerper das Schilddruesengewebe zerstoeren.
Weitere Ursachen sind Zustand nach Operation, Radiojodtherapie, angeborene Hypothyreose, Jodmangel (heute selten in Deutschland) und bestimmte Medikamente (Amiodaron, Lithium, Interferon).
Typische Symptome der Hypothyreose
- Muedigkeit und Antriebslosigkeit, die nicht durch Schlaf verschwindet
- Gewichtszunahme trotz normalem Essen, meist 3 bis 5 kg
- Frieren, kalte Haende und Fuesse
- Trockene Haut, bruechige Naegel, Haarausfall
- Verstopfung
- Depression, Konzentrationsstoerungen, Gedaechtnislecken
- Menstruationsstoerungen mit verlaengerten oder verstaerkten Blutungen
- Muskel und Gelenkschmerzen
- Heiserkeit und verlangsamte Sprache
- Bradykardie (langsamer Puls unter 60)
Laut gesund.bund.de entwickeln sich diese Symptome schleichend ueber Monate bis Jahre, weshalb viele sie mit Stress, Wechseljahren oder Altern verwechseln.
Hyperthyreose: Wenn die Schilddruese zu viel produziert
Die Schilddruesenueberfunktion ist seltener, aber oft dramatischer in der Symptomatik. Haeupt ursachen sind die Morbus Basedow (Autoimmunerkrankung mit stimulierenden Antikoerpern gegen den TSH Rezeptor), die funktionelle Autonomie (meist heisse Knoten bei jahrzehntelangem Jodmangel in aelteren Strukturen) und die Thyreoiditis.
Typische Symptome der Hyperthyreose
- Herzrasen, Herzklopfen, unregelmaessiger Puls (Vorhofflimmern)
- Gewichtsverlust bei gutem Appetit
- Innere Unruhe, Nervositaet, Gereiztheit, Schlafstoerungen
- Hitzegefuehl, Schwitzen, warme feuchte Haut
- Zittrige Haende (Tremor)
- Durchfall und haeufiger Stuhlgang
- Muskelschwaeche, besonders an Oberschenkeln und Oberarmen
- Zyklusstoerungen mit verkuerzten oder ausbleibenden Regelblutungen
- Osteoporose bei laengerer unbehandelter Ueberfunktion
- Bei Morbus Basedow zusaetzlich: endokrine Orbitopathie mit hervortretenden Augen
Thyreotoxische Krise: Der Notfall
Eine unbehandelte oder plotzlich dekompensierte Hyperthyreose kann in eine thyreotoxische Krise muenden: hohes Fieber ueber 39 Grad, starkes Herzrasen, Herzrhythmusstoerungen, Erbrechen, Verwirrung bis Koma. Das ist ein internistischer Notfall mit 10 bis 30 Prozent Sterblichkeit. Sofort Notarzt und Krankenhaus.
Diagnostik: Welche Blutwerte zaehlen?
Der Screening Parameter ist das TSH. Bei gesunder Schilddruese liegt der Wert zwischen 0,4 und 4,0 mU/l (genaue Referenzbereiche variieren nach Labor). Je nach TSH Ergebnis folgen weitere Tests:
- TSH erhoeht, fT4 niedrig: manifeste Hypothyreose
- TSH erhoeht, fT4 normal: subklinische Hypothyreose
- TSH erniedrigt, fT4 erhoeht: manifeste Hyperthyreose
- TSH erniedrigt, fT4 normal: subklinische Hyperthyreose
- TPO Antikoerper: erhoeht bei Hashimoto (und auch Basedow)
- TRAK (TSH Rezeptor Antikoerper): erhoeht bei Morbus Basedow
- Ultraschall: Groesse, Echo struktur, Knoten
- Szintigrafie: bei Knotenstruma zur Unterscheidung heiss / kalt
Laut Deutschem Aerzteblatt ist das TSH der sensibelste Wert, da selbst kleine Veraenderungen der Schilddruesenfunktion zu grossen TSH Schwankungen fuehren.
Therapie der Hypothyreose
Levothyroxin: Der Standard
Die Behandlung der Unterfunktion ist in der Regel einfach und wirksam: Levothyroxin (Levothyroxin kaufen ohne Rezept) als tablette einmal taeglich. Das synthetische T4 wird im Koerper bei Bedarf in das wirksame T3 umgewandelt. Die Halbwertszeit betraegt 7 Tage, sodass tages schwankungen ausgeglichen werden.
- Einnahme: nuechtern, 30 bis 60 Minuten vor dem Fruehstueck mit Wasser
- Startdosis: 25 bis 50 Mikrogramm bei Aelteren oder Herzkranken, 1,6 Mikrogramm pro kg bei Jungen
- Titration: TSH Kontrolle nach 6 bis 8 Wochen, Dosisanpassung um 12,5 bis 25 Mikrogramm
- Zielwert: TSH zwischen 0,5 und 2,5 mU/l fuer die meisten Patientinnen
- Wechselwirkungen: Kalzium, Eisen, Antazida, Sojaprodukte, Kaffee reduzieren die Resorption. Mindestens 30 Minuten Abstand halten.
Kombinationspraeparate T4 plus T3
Eine Minderheit von Patientinnen berichtet, dass sie mit reinem T4 nicht zufrieden sind, obwohl der TSH Wert optimal ist. Hier wird manchmal eine Kombination mit Liothyronin (T3) erwogen. Die Evidenz ist kontrovers, die Therapie gehoert in endokrinologische Haende.
Subklinische Hypothyreose: Behandeln oder nicht?
Bei TSH zwischen 4 und 10 mU/l ohne manifeste Unterfunktion ist die Therapieentscheidung individuell. Fuer eine Substitution sprechen: Schwangerschaftsplanung, Symptome, erhoehte TPO Antikoerper, LDL Cholesterin Erhoehung, Alter unter 65. Dagegen: asymptomatische Patientinnen ueber 80 Jahre.
Therapie der Hyperthyreose
Thyreostatika
Thionamide wie Thiamazol und Carbimazol blockieren die Schilddruesenhormonsynthese. Startdosis 15 bis 30 mg, spaeter Reduktion auf Erhaltungsdosis 5 bis 10 mg.
Nebenwirkungen: Hautausschlag, Leberwerterhoehung, selten Agranulozytose (deshalb bei Fieber und Halsschmerzen sofort Blutbild). Bei Schwangerschaft im ersten Trimenon wird Propylthiouracil bevorzugt.
Betablocker fuer die Symptomkontrolle
Bis die Thyreostatika wirken (2 bis 6 Wochen), lindern Betablocker wie Propranolol (Propranolol kaufen ohne Rezept) die Symptome Herzrasen, Zittern und Unruhe schnell. Typische Dosierung 20 bis 40 mg dreimal taeglich. Propranolol hemmt zusaetzlich die periphere Umwandlung von T4 zu T3 und hat damit einen doppelten Effekt. Nicht geeignet bei Asthma bronchiale oder schwerem AV Block. In der Kategorie Herz Kreislauf System sehen Sie weitere Informationen zu Betablockern und verwandten Substanzen.
Definitive Therapie: Radiojod oder Operation
Bei Morbus Basedow wird nach 12 bis 18 Monaten Thyreostatika Therapie geprueft, ob eine Remission eingetreten ist.
Wenn nicht, ist die naechste Stufe Radiojodtherapie (ambulant im Nuklearmedizinischen Zentrum) oder operative Schilddruesenentfernung. Beide Verfahren fuehren meist zur Hypothyreose, die dann lebenslang mit Levothyroxin substituiert wird.
Bei heissen Knoten und funktioneller Autonomie wird oft direkt die Radiojodtherapie gewaehlt.
Schilddruese und Schwangerschaft
In der Schwangerschaft aendern sich die Referenzbereiche: Der TSH Zielwert liegt im ersten Trimenon unter 2,5 mU/l. Eine unbehandelte Unterfunktion kann zu Fehlgeburt, Fruehgeburt und verzoegerter kindlicher Entwicklung fuehren. Levothyroxin ist in der Schwangerschaft unverzichtbar, die Dosis wird oft um 25 bis 30 Prozent erhoeht. Die Kategorie Frauengesundheit enthaelt weitere Informationen zu Hormonen und Schwangerschaft.
Schilddruesenunterfunktion: Kategorie mit allen Substanzen
In unserer Kategorie Schilddruesenunterfunktion finden Sie die komplette Palette der Substitutionspraeparate, inklusive Markeninformationen, Dosierungshinweisen und Warnungen zur Interaktion.
Ernaehrung, Jod und Selen
Die Schilddruese braucht Jod (150 Mikrogramm pro Tag) fuer die Hormonsynthese. Jodiertes Speisesalz und Seefisch decken in Deutschland den Bedarf in der Regel.
Bei Hashimoto und Basedow ist jedoch mit Vorsicht zu dosieren, da Jod Schuebe ausloesen kann. Keine Algenkapseln ohne Aerztliche Ruecksprache.
Selen (100 bis 200 Mikrogramm pro Tag) kann bei Hashimoto die TPO Antikoerper Werte leicht senken, die klinische Bedeutung ist aber umstritten.
Lebensstil bei Schilddruesenerkrankung
- Regelmaessige Kontrollen des TSH Wertes alle 6 bis 12 Monate, bei stabiler Einstellung
- Levothyroxin konsequent einnehmen, gleicher Hersteller moeglichst beibehalten (Bioaequivalenz variiert leicht)
- Stressreduktion, ausreichend Schlaf
- Moderater Sport, auch bei Hyperthyreose (nach Einstellung)
- Rauchen beenden, besonders bei Morbus Basedow mit Augenbeteiligung
- Achtsamkeit bei Medikamentenwechsel, alle 4 bis 6 Wochen TSH kontrollieren
Fazit: Gute Prognose bei kontinuierlicher Begleitung
Schilddruesenerkrankungen sind haeufig, aber fast immer gut behandelbar. Die Hypothyreose mit Levothyroxin substituieren, die Hyperthyreose mit Thyreostatika und Betablocker symptomatisch und kausal angehen, bei Bedarf definitiv mit Radiojod oder Operation. Entscheidend ist die regelmaessige TSH Kontrolle und eine konstante Medikamenteneinnahme. Frauen vor einer Schwangerschaft sollten ihren Schilddruesenstatus pruefen lassen. Bei ungeklaerter Muedigkeit, Gewichtsveraenderung, Herzrasen oder Haarausfall gehoert das TSH zum Basislabor. In der Kategorie Schilddruese finden Sie alle verfuegbaren Praeparate und weiterfuehrende Ratgeber.