Vitamin D Mangel: Symptome erkennen und richtig supplementieren

Mehr als jeder zweite Deutsche hat im Winter zu wenig Vitamin D.

die Prescriptsy-Redaktion erklaert, welche Symptome wirklich auf einen Mangel hindeuten und wie Sie sicher supplementieren.

Kurz zusammengefasstMehr als jeder zweite Deutsche hat im Winter zu wenig Vitamin D. die Prescriptsy-Redaktion erklaert, welche Symptome wirklich auf einen Mangel hindeuten und wie Sie sicher supplementieren.

Im Herbst und Winter hoere ich fast taeglich die gleiche Frage: "Frau Doktor, brauche ich Vitamin D Praeparate?" Die kurze Antwort lautet: Wahrscheinlich ja, wenn Sie in Deutschland leben und sich zwischen Oktober und Maerz wenig im Freien aufhalten. Laut Deutscher Gesellschaft fuer Ernaehrung (DGE) erreichen rund 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland die wuenschenswerte Vitamin D Versorgung nicht. In diesem Leitfaden zeige ich Ihnen, welche Symptome wirklich auf einen Mangel hindeuten, wie die Supplementierung sicher gelingt und wann ein Bluttest sinnvoll ist.

Was ist Vitamin D eigentlich?

Vitamin D ist streng genommen kein Vitamin, sondern ein Prohormon .

Unter UVB Sonneneinstrahlung bildet die Haut aus einem Cholesterinvorlaeufer zuerst Cholecalciferol (Vitamin D3), das anschliessend in der Leber zu 25 Hydroxy Vitamin D (Calcidiol) und in der Niere zu 1,25 Dihydroxy Vitamin D (Calcitriol) umgewandelt wird.

Calcitriol ist die aktive Form, die im Darm die Calciumaufnahme steuert, die Knochenmineralisation foerdert und ueber hunderte Gene das Immunsystem, die Muskulatur und die Zellproliferation beeinflusst.

Die Sonnenbildung macht bei hellhaeutigen Menschen in Mitteleuropa etwa 80 bis 90 Prozent des Bedarfs aus.

Die restlichen 10 bis 20 Prozent stammen aus der Nahrung: fetter Seefisch wie Lachs und Hering, Eigelb, Leber und einige Speisepilze.

Pflanzliche Lebensmittel enthalten Vitamin D2 (Ergocalciferol), das weniger effektiv aufgenommen wird als tierisches D3.

Warum haben so viele Deutsche einen Mangel?

Zwischen Oktober und Maerz steht die Sonne in Deutschland zu flach, um ausreichend UVB Strahlung fuer die Vitamin D Bildung zu liefern.

Wer in dieser Zeit kaum draussen ist, im Buero arbeitet und Sonnenschutz LSF 30 oder hoeher traegt, bildet praktisch nichts.

Dazu kommen die Risikogruppen: aeltere Menschen (Hautbildung sinkt), Menschen mit dunkler Haut (Melanin filtert UVB), Schwangere, Veganer, Uebergewichtige und Menschen mit chronisch entzuendlichen Darmerkrankungen.

Welche Symptome deuten auf einen Vitamin D Mangel hin?

Der Tuecke liegt darin, dass ein moderater Mangel oft lange keine klaren Symptome macht. Erst bei laengerfristig niedrigem Spiegel zeigen sich Beschwerden, die viele zunaechst anderen Ursachen zuschreiben:

  • Muedigkeit und Abgeschlagenheit ohne klaren Grund
  • Muskelschmerzen und Muskelschwaeche, besonders in Oberschenkeln und Huefte
  • Knochenschmerzen in Rippen, Becken, Wirbelsaeule
  • Haeufige Infekte der oberen Atemwege
  • Depressive Verstimmung und Winterblues
  • Verzoegerte Wundheilung
  • Haarausfall bei Frauen, besonders am Scheitel
  • Erhoehtes Sturzrisiko bei aelteren Menschen durch Muskelschwaeche

Bei laengerem schweren Mangel kommen Osteomalazie (Knochenerweichung) bei Erwachsenen und Rachitis bei Kindern hinzu. Laut gesund.bund.de ist die klassische Rachitis heute in Deutschland selten, Osteomalazie tritt aber weiterhin bei Risikogruppen auf.

Vitamin D und chronische Erkrankungen

Beobachtungsstudien bringen einen niedrigen Vitamin D Spiegel mit zahlreichen Erkrankungen in Verbindung: Osteoporose, Herz Kreislauf Erkrankungen, Typ 2 Diabetes, Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Hashimoto Thyreoiditis. Randomisierte Interventionsstudien haben allerdings nicht immer bestaetigt, dass Supplementierung diese Erkrankungen verhindert. Klar ist der Nutzen bei der Knochengesundheit und bei Sturzpraevention alterer Menschen. In den Kategorien Herz Kreislauf System und Schmerzen finden Sie weitere Ratgeber zu Themen, bei denen Vitamin D eine Rolle spielt.

Wie wird der Vitamin D Status gemessen?

Der Standardwert ist 25 Hydroxy Vitamin D (25 OH D) im Serum.

Dieser Wert spiegelt die Speicher des Koerpers ueber Wochen wider und ist stabiler als das aktive Calcitriol, das starken Tagesschwankungen unterliegt.

Die Einheiten sind nmol/l oder ng/ml, wobei 1 ng/ml entspricht 2,5 nmol/l.

Die DGE und das Robert Koch Institut definieren die Versorgungsstufen wie folgt:

  • Unter 30 nmol/l (12 ng/ml): Mangel mit Risiko fuer Osteomalazie
  • 30 bis 50 nmol/l (12 bis 20 ng/ml): suboptimale Versorgung
  • 50 bis 75 nmol/l (20 bis 30 ng/ml): gute Versorgung
  • Ueber 75 nmol/l: optimal, kein Zusatznutzen bei noch hoeheren Werten belegt
  • Ueber 250 nmol/l: potenziell toxisch, Hyperkalziaemie Risiko

Wann lohnt sich ein Bluttest?

  1. Unklare Muedigkeit und Muskelschmerzen trotz gesundem Lebensstil
  2. Osteoporose, Knochenbrueche bei geringem Trauma
  3. Chronisch entzuendliche Darmerkrankungen
  4. Zustand nach bariatrischer Operation
  5. Dauerhafte Steroid oder Antiepileptika Einnahme
  6. Schwangerschaft, besonders bei dunklerer Haut
  7. Vor Beginn einer Bisphosphonat Therapie

Fuer gesunde Erwachsene ohne Symptome ist kein routinemaessiger Bluttest noetig. Wenn Sie zwischen Oktober und Maerz prophylaktisch supplementieren wollen, koennen Sie das auch ohne Messung sicher tun, solange Sie die empfohlenen Dosen nicht ueberschreiten.

Wie viel Vitamin D brauchen Erwachsene?

Die DGE empfiehlt fuer Erwachsene ohne ausreichende Eigensynthese eine Zufuhr von 20 Mikrogramm (800 Internationale Einheiten) pro Tag .

Das entspricht der Menge, die der Koerper braucht, um den 25 OH D Spiegel von 50 nmol/l zu erreichen. Saeuglinge bekommen 400 IE (10 Mikrogramm), Schwangere 800 IE.

Aus der Nahrung allein sind 800 IE praktisch nicht erreichbar. Eine Portion Lachs (150 g) enthaelt rund 700 IE, ein Ei 40 IE, ein Glas Milch 60 IE.

Fuer die meisten Menschen heisst das: Von Oktober bis Maerz ist eine Supplementierung mit 800 bis 2000 IE pro Tag sinnvoll.

Welche Praeparate sind geeignet?

Die meisten Apothekenpraeparate enthalten Cholecalciferol (Vitamin D3) tierischen Ursprungs (Lanolin aus Schafwolle oder Fischleberoel). Veganer koennen auf Flechten basiertes D3 oder Vitamin D2 ausweichen, wobei D3 effektiver ist.

Die Einnahme erfolgt idealerweise zu einer fettreichen Mahlzeit, da Vitamin D fettloeslich ist und dann besser aufgenommen wird.

  • Taegliche Dosierung: 800 bis 2000 IE ist fuer die meisten Erwachsenen sicher
  • Woechentlich: 20.000 IE einmal pro Woche wird gut resorbiert
  • Stosstherapie: Bei nachgewiesenem Mangel 20.000 IE dreimal woechentlich fuer 6 bis 8 Wochen
  • Hohe Einmaldosen: ueber 100.000 IE werden heute nicht mehr empfohlen, da erhoehtes Sturzrisiko

Die tolerable obere Zufuhrmenge liegt laut EFSA bei 4000 IE pro Tag fuer Erwachsene. Darueber kann es zu Hyperkalziaemie mit Nierenverkalkung, Herzrhythmusstoerungen und Nierensteinen kommen.

Wer sollte besonders achten?

Schwangere und Stillende

In der Schwangerschaft wird der Vitamin D Bedarf durch das Knochenwachstum des Kindes leicht erhoeht. Die DGE empfiehlt 800 IE pro Tag, internationale Leitlinien gehen bis 2000 IE. Ein Mangel in der Schwangerschaft erhoeht das Risiko fuer Praeeklampsie, Gestationsdiabetes und verzoegerte Knochenreifung beim Kind. Viele Frauenaerzte kombinieren Vitamin D mit Folsaeure und Jod in einem Schwangerschaftspraeparat. In der Kategorie Frauengesundheit finden Sie Ratgeber rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Menopause.

Aeltere Menschen

Ueber 65 Jahre sinkt die Hautbildung von Vitamin D auf ein Drittel, dazu kommen weniger Sonnenexposition und oft eine eingeschraenkte Mobilitaet.

Die Sturzpraevention durch Vitamin D 800 IE plus Calcium 1000 mg taeglich ist gut belegt und senkt die Huefteferakturrate signifikant.

Wer Osteoporose Medikamente wie Bisphosphonate oder Denosumab nimmt, sollte unbedingt ausreichend Vitamin D haben, sonst wirken diese Mittel nicht optimal.

Dunkle Hautfarbe und Kopftuch

Melanin filtert UVB effizient. Menschen mit dunkler Haut brauchen die drei bis sechsfache Sonnenexposition fuer die gleiche Vitamin D Bildung wie hellhaeutige.

In Mitteleuropa ist das praktisch nicht erreichbar, weshalb ganzjaehrige Supplementierung empfohlen wird. Aehnliches gilt fuer Frauen, die aus religioesen oder kulturellen Gruenden den Grossteil des Koerpers bedecken.

Uebergewicht und bariatrische Chirurgie

Vitamin D ist fettloeslich und verteilt sich im Fettgewebe. Bei Adipositas (BMI ueber 30) ist der zirkulierende Spiegel deshalb niedriger, auch wenn die Gesamtmenge im Koerper normal ist.

Diese Patientinnen brauchen oft doppelte Dosen.

Nach Magen Bypass oder Schlauchmagen ist die Fettresorption reduziert, weshalb lebenslange Substitution mit 2000 bis 4000 IE plus Kontrolle alle 6 bis 12 Monate Pflicht ist.

Vitamin D und Schmerzen

Niedrige Vitamin D Spiegel werden mit diffusen Muskel und Knochenschmerzen assoziiert. Studien zeigen, dass die Behebung eines Mangels bei Patientinnen mit Fibromyalgie oder chronischen Rueckenschmerzen die Schmerzscores leicht senkt. Vitamin D ist kein Schmerzmittel im klassischen Sinn, aber ein wichtiger Begleitfaktor. Bei akuten Schmerzen bleiben Ibuprofen oder Paracetamol die erste Wahl. Siehe unsere Schmerzen Kategorie fuer die gesamte Auswahl an Schmerzmitteln und Rueckenschmerz Ratgeber.

Wechselwirkungen und Kontraindikationen

Vitamin D ist bei sachgemaesser Anwendung sehr sicher. Wichtige Wechselwirkungen:

  • Thiazid Diuretika (gegen Bluthochdruck): erhoehen Calcium und damit das Hyperkalziaemie Risiko
  • Glucocorticoide (Kortison): senken Vitamin D Wirkung
  • Antiepileptika und Rifampicin: beschleunigen den Vitamin D Abbau
  • Cholestyramin und Orlistat: reduzieren die Resorption
  • Herzglykoside: erhoehtes Arrhythmierisiko bei Hyperkalziaemie

Kontraindiziert ist Vitamin D bei Hyperkalziaemie, Sarkoidose, primaerem Hyperparathyreoidismus und Niereninsuffizienz mit gestoerter Calcitriol Bildung. In diesen Situationen braucht es eine endokrinologische Begleitung.

Fazit: Fuer viele ein sinnvolles Zusatzpraeparat

Vitamin D ist eines der wenigen Nahrungsergaenzungsmittel, bei dem die Studienlage eine breite Supplementierung rechtfertigt, zumindest zwischen Oktober und Maerz in Deutschland. 800 bis 2000 IE pro Tag sind sicher, guenstig und wirksam, besonders fuer Knochen, Muskulatur und Sturzpraevention bei aelteren Menschen. Ein Bluttest ist nicht fuer jeden noetig, aber sinnvoll bei Symptomen, Risikogruppen oder Osteoporose. Laut Deutschem Aerzteblatt bleibt die Evidenz fuer aussermedizinische Einsaetze (Krebspraevention, Herzinfarkt) schwach, der Nutzen fuer Knochen und Muskulatur ist aber eindeutig. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie mehr als 2000 IE taeglich nehmen wollen oder Vorerkrankungen vorliegen.

Haeufige Patientenfragen zu Vitamin D

"Kann ich im Solarium Vitamin D bilden?" Theoretisch ja, praktisch nicht empfehlenswert.

Solarien verwenden vor allem UVA, das zwar braeunt, aber wenig UVB und damit wenig Vitamin D produziert. Zudem erhoeht UVA Strahlung das Hautkrebsrisiko.

Eine Supplementierung ueber Tabletten ist sicherer, genauer dosierbar und guenstiger.

"Wie lange dauert es, bis ein Mangel behoben ist?" Bei taeglicher Gabe von 2000 IE dauert es etwa 8 bis 12 Wochen, bis sich die 25 OH D Spiegel stabilisiert haben.

Bei Stosstherapie mit 20.000 IE dreimal woechentlich geht es etwas schneller, 6 bis 8 Wochen. Eine Kontrolle nach 3 Monaten ist sinnvoll, um die Erhaltungsdosis festzulegen.

"Was ist mit Vitamin K2 zusammen mit Vitamin D?" Einige Ernaehrungsberater empfehlen die Kombination, weil K2 das Calcium besser in die Knochen lenkt statt in die Blutgefaesse.

Die Studienlage ist nicht einheitlich, bei normaler Mischkost mit gruenem Blattgemuese ist die zusaetzliche K2 Gabe nicht zwingend noetig.

Schaden tut sie bei gesunden Menschen auch nicht, ausser bei Einnahme oraler Antikoagulanzien wie Marcumar.

"Kann ich ueberdosieren, wenn ich viel in der Sonne bin und gleichzeitig Tabletten nehme?" Die endogene Hautbildung ist selbstregulierend: Sobald genug Vitamin D gebildet wurde, zerfaellt das Vorlaeufer molekuel durch UV Strahlung.

Eine Ueberdosierung durch Sonne allein ist nicht moeglich. In Kombination mit niedrigen Supplementdosen unter 2000 IE pro Tag ebenfalls nicht.

Erst bei Stosstherapie und intensiver Sonnenexposition sollte man pausieren.

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