Promethazin
Promethazin ist ein Phenothiazin-Antihistaminikum mit sedierenden, antiemetischen und antiallergischen Eigenschaften. Es wird in Deutschland zur Behandlung von Uebelkeit, Erbrechen, allergischen Erkrankungen und als Praemedikaion eingesetzt.
Die Anwendung erfolgt nach aerztlicher Verordnung, da Promethazin ein erhoehtes Sedierungspotenzial besitzt und bei Kindern unter 2 Jahren kontraindiziert ist.
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Promethazin – Antihistaminikum und Antiemetikum in Deutschland
Promethazin ist ein klassisches Phenothiazin-Derivat mit antihistaminerger, anticholinerger, antidopaminerger und adrenolytischer Wirkung.
In Deutschland ist es als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen und steht unter der Aufsicht des Bundesinstituts fuer Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
Die Substanz wird seit Jahrzehnten sowohl in der ambulanten als auch in der stationaeren Versorgung eingesetzt.
Gesetzlich Krankenversicherte koennen Promethazin bei entsprechender Indikation als GKV-Leistung erhalten, wobei die Verordnung durch den Hausarzt oder einen Spezialisten erfolgt.
Der G-BA hat Leitlinien zur sachgemaessen Verordnung von Sedativa und Antiemetika definiert, die bei der Verschreibung zu beachten sind.
Wirkungsmechanismus von Promethazin
Promethazin blockiert selektiv Histamin-H1-Rezeptoren und verhindert dadurch die histaminvermittelten allergischen Reaktionen wie Vasodilatation, erhoehte Gefaesspermeabilitaet und Pruritus.
Darueber hinaus antagonisiert es Dopaminrezeptoren in der Chemorezeptor-Triggerzone des Hirnstamms, was die antiemetische Wirkung erklaert. Durch die Blockade zentraler muskarinischer Acetylcholinrezeptoren entsteht die ausgepragte sedierende und anticholinerge Wirkung.
Die Beeinflussung des retikulaeren Aktivierungssystems des Hirnstamms foerdert den Schlaf und wirkt angstloesend.
Promethazin wird nach oraler Einnahme gut resorbiert und in der Leber umfassend metabolisiert; die Halbwertszeit betraegt ca. 10-19 Stunden.
Indikationen und Anwendungsgebiete
Promethazin ist in Deutschland fuer folgende Anwendungsgebiete zugelassen:
- Allergische Erkrankungen: Urticaria, Angiooedem, allergische Rhinitis, Kontaktdermatitis, anaphylaktische Reaktionen (als Ergaenzung zur spezifischen Therapie)
- Uebelkeit und Erbrechen: Kinetosen (Reisekrankheit), Schwangerschaftserbrechen (nach sorgfaeltiger Nutzen-Risiko-Abwaegung), postoperative Uebelkeit
- Sedierung und Praemedikaion: Praeoperative Angstloesung, Schlaffoerderung bei kurzfristigen Schlafstörungen
- Adjuvante Schmerztherapie: In Kombination mit Analgetika zur Verstarkung der analgetischen Wirkung
Laut IQWiG-Bewertungen ist Promethazin insbesondere bei Kinetosen und allergischen Sofortreaktionen gut belegt wirksam. Die Anwendung sollte auf das therapeutisch Notwendige beschraenkt werden.
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung von Promethazin variiert je nach Indikation, Alter und individuellem Ansprechen:
- Allergien und Uebelkeit (Erwachsene): 25 mg 1-3 mal taeglich oral; Maximaldosis 100 mg/Tag
- Sedierung / Schlaf: 25-50 mg zur Nacht
- Praemedikaion: 50 mg abends vor dem Eingriff und 25-50 mg am Morgen des Eingriffstages
- Kinder (2-12 Jahre): 0,5-1 mg/kg KG, max. 25 mg pro Einzeldosis, nach aerztlicher Verschreibung
Promethazin kann als Tablette, Tropfen oder Supp vorliegen. Bei oraler Einnahme sollte die Tablette unzerkaut mit ausreichend Fluessigkeit eingenommen werden. Die Behandlung sollte so kurz wie moeglich sein, da das Abhaengigkeitspotenzial und Toleranzentwicklung beruecksichtigt werden muessen.
Nebenwirkungen von Promethazin
Promethazin kann eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen, die auf seine breit gestreuten Rezeptorblockaden zurueckzufuehren sind. Sehr haeufige Nebenwirkungen sind Sedierung und Schlaefrigkeit, die insbesondere zu Therapiebeginn auftreten.
Weitere haeufige unerwuenschte Wirkungen umfassen Mundtrockenheit, Verstopfung, verschwommenes Sehen, Harnretention (anticholinerge Effekte), Schwindel, Verwirrtheit (besonders bei aelteren Personen) sowie Gewichtszunahme.
Extrapyramidale Stoerungen wie Akathisie, Dystonie oder Parkinsonismus koennen auftreten, vor allem bei hohen Dosen oder bei Kindern. Paradoxe Reaktionen (Unruhe, Erregung, Schlaflosigkeit) sind moeglich, besonders bei Kindern.
Bei laengerer Anwendung besteht das Risiko einer tardiven Dyskinesie. Seltene, aber schwere Ereignisse umfassen Leukopenie, Thrombozytopenie, haepatotoxische Reaktionen, QT-Verlaengerung und Arrhythmien.
Bei Verdacht auf eine schwere allergische Reaktion oder ein neuroleptisches malignes Syndrom ist sofort der Notruf 112 zu waehlen.
Kontraindikationen
Promethazin ist kontraindiziert bei:
- Kindern unter 2 Jahren (erhoehtes Risiko eines atemdepressiven Atemstillstands)
- Komatoesen Zustaenden oder zentralnervoeser Depression
- Schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz
- Engwinkelglaukom
- Benignem Prostatasyndrom mit Harnverhalt
- Gleichzeitiger Einnahme von MAO-Hemmern oder innerhalb von 14 Tagen nach deren Absetzen
- Ueberempfindlichkeit gegenueber Promethazin, anderen Phenothiazinen oder einem der Hilfsstoffe
- Phaeochromozytom
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Promethazin weist zahlreiche klinisch relevante Wechselwirkungen auf:
- ZNS-Depressiva (Benzodiazepine, Opioide, Alkohol, Barbiturate): additive sedierende Wirkung, Atemdepression
- MAO-Hemmer: Gefahr hypertensiver Krisen und schwerer paradoxer Reaktionen
- Anticholinergika: Verstaerkung der anticholinergen Nebenwirkungen (Harnretention, Ileus, Delirium)
- QT-verlaengernde Arzneimittel (Antiarrhythmika, bestimmte Antibiotika, Antidepressiva): Risiko maligner Arrhythmien
- Antihypertonika: Verstaerkung des blutdrucksenkenden Effekts
- Levodopa: Abschwachung der antiparkinsonistischen Wirkung
Informieren Sie Ihre Aerztin oder Ihren Arzt sowie das Apothekenpersonal vollstaendig ueber alle eingenommenen Praeparate einschliesslich rezeptfreier Arzneimittel und Nahrungsergaenzungsmittel.
Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit
Die Anwendung von Promethazin waehrend der Schwangerschaft erfordert eine strenge Nutzen-Risiko-Abwaegung. Im ersten Trimenon ist Promethazin aufgrund unzureichender Daten zu Teratogenitaet zu vermeiden.
Im zweiten und dritten Trimenon wird es gelegentlich bei therapieresistenter Hyperemesis gravidarum eingesetzt, jedoch nur unter aerztlicher Aufsicht.
Eine Gabe unmittelbar vor der Geburt kann beim Neugeborenen Atemdepression, Sedierung und extrapyramidale Symptome verursachen.
In der Stillzeit ist Promethazin zu vermeiden, da es in die Muttermilch uebertritt und beim Saeuglings Sedierung und Atemdepression ausloesen kann.
Aufbewahrungshinweise
Promethazin-Praeparate sind bei Raumtemperatur (15-25 Grad Celsius) trocken und lichtgeschuetzt in der Originalverpackung aufzubewahren. Das Arzneimittel ist sicher ausserhalb der Reichweite von Kindern zu lagern.
Nach Ablauf des Verfallsdatums darf das Praeparat nicht mehr verwendet werden. Entsorgung gemaess lokalen Vorschriften, nicht ueber das Abwasser.
Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
Darf ich Promethazin beim Autofahren nehmen?
Nein. Promethazin verursacht erhebliche Sedierung und beeintraechtigt die Fahrtuechtigkeit und die Faehigkeit zum Bedienen von Maschinen. Auf das Fuehren von Fahrzeugen und gefaehrliche Taetigkeiten ist waehrend der Behandlung zu verzichten.
Kann Promethazin bei Kindern eingesetzt werden?
Promethazin ist bei Kindern unter 2 Jahren absolut kontraindiziert wegen des Risikos eines Atemstillstands. Bei Kindern von 2-12 Jahren kann es unter strenger aerztlicher Aufsicht in niedrigen Dosen eingesetzt werden. Die Selbstmedikation bei Kindern ist nicht zulassig.
Wie schnell wirkt Promethazin?
Nach oraler Einnahme setzt die Wirkung innerhalb von 20-30 Minuten ein und haelt 4-8 Stunden an. Bei parenteraler Gabe tritt die Wirkung schneller ein. Die sedierende Wirkung kann bei Einzelpersonen variieren.
Kann Promethazin abhaengig machen?
Promethazin hat ein geringes Abhaengigkeitspotenzial, sollte aber trotzdem nur so kurz wie moeglich und in der niedrigsten wirksamen Dosis angewendet werden.
Bei laengerer Anwendung koennen Toleranzentwicklung und psychische Abhaengigkeit auftreten. Beenden Sie die Therapie nicht abrupt ohne Ruecksprache mit dem Arzt.
Was tun bei Ueberdosierung?
Bei vermuteter Ueberdosierung sofort den Notruf 112 oder die Giftnotrufzentrale (z. B. 030 19240 Berlin) anrufen. Symptome einer Ueberdosierung koennen Bewusstseinsverlust, Atemlahmung, schwere anticholinerge Symptome und Krampfanfaelle umfassen. Eine Magenspuelung und symptomatische Behandlung sind in der Notaufnahme moeglich.
Kann ich Promethazin mit Alkohol kombinieren?
Nein. Die Kombination von Promethazin mit Alkohol fuehrt zu einer erheblichen Verstaerkung der sedierenden Wirkung und kann zu gefaehrlicher Atemdepression fuehren. Waehrend der Behandlung ist Alkohol vollstaendig zu meiden.
Wie unterscheidet sich Promethazin von anderen Antihistaminika?
Im Gegensatz zu neueren, nicht-sedierenden H1-Antihistaminika (z. B. Cetirizin, Loratadin) ueberwindet Promethazin leicht die Blut-Hirn-Schranke und verursacht erhebliche Sedierung. Diese Eigenschaft macht es fuer bestimmte Indikationen (Praemedikaion, Schlaffoerderung) nuetzlich, schraenkt aber die Tagesanwendung ein.
Besondere Hinweise fuer spezielle Patientengruppen
Aeltere Patienten (ueber 65 Jahre) sind besonders empfindlich gegenueber den anticholinergen Wirkungen von Promethazin. Das Risiko fuer Sturz, Verwirrungszustaende (Delirium) und Harnretention ist erheblich erhoert.
In der Beers-Liste der American Geriatrics Society und in deutschen geriatrischen Leitlinien gilt Promethazin als potenziell ungeeignetes Medikament (PRISCUS-Liste) fuer aeltere Menschen.
Die Anwendung bei dieser Patientengruppe sollte nur unter strenger Indikationsstellung und in der niedrigst moeglichen Dosis erfolgen.
Patienten mit Epilepsie sollten Promethazin mit Vorsicht anwenden, da es die Krampfschwelle senken kann. Bei Patienten mit Lebererkrankungen ist die Metabolisierung verlangsamt; eine Dosisanpassung kann erforderlich sein.
Bei Patienten mit Herzerkrankungen, insbesondere mit QT-Verlaengerung, ist ein EKG vor Therapiebeginn empfohlen.
Praktische Hinweise zur sicheren Anwendung
Promethazin sollte in der niedrigsten wirksamen Dosis und fuer die kuerzestmoegliche Dauer eingesetzt werden.
Patienten sollten explizit ueber die Einschraenkung der Fahrtuechtigkeit aufgeklaert werden; bei berufsfahrenden Personen ist die Anwendung sorgfaeltig abzuwaegen.
Die Sedierung nimmt bei den meisten Patienten bei laengerer Anwendung durch Toleranzentwicklung ab, was jedoch nicht zur Dosissteigerung verleiten sollte.
Sonnenschutz ist bei Lichtempfindlichkeit unter Promethazin-Therapie empfohlen, da Photosensitivitaetsreaktionen auftreten koennen.
Patienten sollten die Tabletten nicht zerkauen, da der Geschmack unangenehm sein kann; Tropfenform bietet bei Schluckbeschwerden eine Alternative.
Eine abrupte Therapieunterbrechung nach laenger dauernder Einnahme ist zu vermeiden; die Dosis sollte ausgeschlichen werden.
Quellen und weiterfuehrende Informationen
- Bundesinstitut fuer Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): www.bfarm.de
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): www.g-ba.de
- Institut fuer Qualitaet und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.iqwig.de
- Gelbe Liste Online: www.gelbe-liste.de
- ABDATA Pharma-Daten-Service – Fachinformation Promethazin
- Deutsche Gesellschaft fuer Anaesthesiologie und Intensivmedizin (DGAI) – Leitlinien Praemedikaion